Laktatabnahme,
Schritt für Schritt.
Die Kurve entsteht nicht in der Software, sondern am Ohr. Hier steht, worauf es bei der Abnahme ankommt, welche vier Fehler die Werte am stärksten verschieben und warum die Gleichmäßigkeit wichtiger ist als jedes Rechenmodell.
Was auf dem Tisch liegen muss.
Alles, bevor der Athlet aufs Band steigt. Wer während der Stufe noch sucht, verpasst den Zeitpunkt.
Am Ohr
- Einmalhandschuhe
- Sicherheitslanzetten, eine pro Einstich
- Trockene Tupfer zum Abwischen von Schweiß
- Desinfektion nach der Vorgabe deiner Einrichtung
- Abwurfbehälter für spitze Gegenstände, in Reichweite
Für die Messung
- Messgerät, eingeschaltet und geprüft
- Teststreifen oder Kapillaren, Anzahl der Stufen plus Reserve
- Wie viel Blut nötig ist, steht in der Anleitung des Geräts
- Haltbarkeit der Streifen vorher ansehen, nicht mittendrin
- Uhr oder Timer, der bei jeder Stufe gleich läuft
Sechs Schritte, jede Stufe gleich.
Ohr warm machen
Vor dem ersten Einstich kurz reiben. Ein kaltes Ohrläppchen blutet nicht, und dann wird gedrückt, was wieder die Probe verdirbt.
Abwischen und trocknen
Schweiß weg, dann trocken nachwischen. Auch Reste von Desinfektionsmittel gehören weggewischt, sie verdünnen den Tropfen.
Einstechen
Mit einer frischen Lanzette, seitlich am Läppchen. Für jede Stufe eine neue Stelle in der Nähe, nicht dieselbe Wunde mehrfach öffnen.
Tropfen kommen lassen
Nicht melken. Der Tropfen soll sich von selbst bilden, sonst mischt sich Gewebeflüssigkeit dazu.
Aufnehmen und messen
Streifen oder Kapillare an den Tropfen halten, ohne die Haut zu berühren. Direkt messen, nicht sammeln und später messen.
Wert notieren, Zeit notieren
Wert zur Stufe, und wie lange nach Stufenende gemessen wurde. Das zweite vergessen die meisten, und es fehlt hinterher genau dann, wenn die Kurve seltsam aussieht.
Die vier, die wirklich wehtun.
Nach der Reihenfolge, wie stark sie die Kurve verschieben.
1. Schweiß in der Probe
Schweiß enthält Laktat. Der Wert steigt, ohne dass sich im Stoffwechsel etwas geändert hat, und zwar bevorzugt auf den hohen Stufen. Genau dort liegt die anaerobe Schwelle. Ein zu hoher Wert dort verschiebt sie nach unten und du gibst dem Athleten zu langsame Trainingsbereiche mit.
2. Ungleiche Zeitpunkte
Auf einer Stufe nach zwanzig Sekunden, auf der nächsten nach fünfzig. Das sieht in der Kurve wie ein Plateau oder ein Knick aus und lässt jedes Schwellenmodell daneben greifen. Ein Timer, der immer gleich läuft, ist die billigste Verbesserung deiner Datenqualität.
3. Gequetschtes Gewebe
Drücken bringt Gewebeflüssigkeit und zerstörte Zellen mit. Die Werte werden nicht gleichmäßig falsch, sondern zufällig, und zufällige Ausreißer sind schlimmer als ein gleichmäßiger Versatz: den kann man erkennen, die anderen nicht.
4. Wechsel des Verfahrens
Anderes Messgerät, andere Abnahmestelle, andere Person. Jedes davon ist für sich in Ordnung, aber nicht mitten in einer Verlaufskontrolle. Wer im Frühjahr am Ohr und im Herbst am Finger misst, vergleicht zwei Dinge.
Wie aus Werten eine Kurve wird.
Sechs bis acht Stufen, je ein Laktatwert, dazu Puls und Geschwindigkeit. Daraus entsteht die Laktatleistungskurve, und aus ihr die aerobe und die anaerobe Schwelle.
Welche Schwelle herauskommt, hängt vom Modell ab. Feste Grenzen bei 2,0 und 4,0 mmol/l sind international vergleichbar, gehen aber an einem sehr niedrigen oder sehr hohen Ruhelaktat vorbei. Die individuelle Schwelle setzt auf dem Basislaktat auf. Das modifizierte Dmax sucht rechnerisch den Punkt der stärksten Krümmung und braucht dafür keinen festen Grenzwert. Für denselben Test können sich daraus Trainingsbereiche ergeben, die deutlich auseinanderliegen.
Deshalb ist es sinnvoll, die Modelle am fertigen Test nebeneinander zu sehen statt sich vorher für eines zu entscheiden.
- Stufe, Dauer und Last oder Geschwindigkeit
- Laktatwert in mmol/l
- Puls am Stufenende
- Zeitpunkt der Abnahme nach Stufenende
- Gewicht des Athleten, für Watt pro Kilogramm
- Maximale Herzfrequenz, für den Anteil in den Bereichen
- Borgwert, wenn du subjektive Belastung mit erfasst
Zur Laktatabnahme.
Ohr oder Finger?
In der Leistungsdiagnostik ist das Ohrläppchen der übliche Ort. Es blutet gut, der Einstich stört beim Laufen nicht, und die Hand bleibt frei für Griff und Handtuch.
Die Fingerbeere ist möglich, hat aber zwei Nachteile: sie ist empfindlicher, und beim Radfahren oder am Ruderergometer ist der Finger im Weg. Wichtiger als die Wahl ist, dass du sie über den ganzen Test und über alle Folgetests beibehältst. Wer die Stelle mitten in einer Testreihe wechselt, vergleicht hinterher Werte, die nicht zusammengehören.
Wann in der Stufe wird abgenommen?
Üblich ist das Ende der Stufe, entweder in den letzten Sekunden der Belastung oder in einer kurzen Pause direkt danach. Zu diesem Zeitpunkt hat sich der Laktatwert der Belastung angenähert.
Entscheidend ist die Gleichmäßigkeit. Wenn du auf einer Stufe nach zwanzig Sekunden Pause abnimmst und auf der nächsten nach fünfzig, baust du eine Verzerrung ein, die später wie ein Knick in der Kurve aussieht. Ein Pausentimer, der bei jeder Stufe gleich läuft, nimmt dir diese Fehlerquelle ab.
Warum verfälscht Schweiß den Wert?
Weil Schweiß selbst Laktat enthält. Ein Tropfen Schweiß an der Einstichstelle mischt sich mit dem Blut und hebt den gemessenen Wert, ohne dass sich im Stoffwechsel etwas geändert hätte.
Das ist der häufigste und ärgerlichste Fehler bei der Laktatabnahme, weil er genau dann auftritt, wenn es interessant wird: auf den hohen Stufen, wenn der Athlet schwitzt. Deshalb wird vor jedem Einstich abgewischt, und zwar trocken nachgewischt.
Was ist mit dem Quetschen?
Wer kräftig drückt, presst Gewebeflüssigkeit mit heraus und verdünnt die Probe. Auch zerstörte Blutzellen verändern die Messung. Der Tropfen soll von selbst kommen.
Wenn nichts kommt, ist die Ursache meist nicht zu wenig Druck, sondern ein zu kalt gewordenes Ohr. Kurz warm reiben, kurz warten, neu einstechen.
Brauche ich ein Laborgerät oder reicht ein Handmessgerät?
Für die Praxis reichen die tragbaren Geräte, sie sind für diesen Zweck gebaut und brauchen sehr wenig Blut. Laborgeräte messen genauer und arbeiten Proben in Serie ab, das lohnt sich ab einer entsprechenden Anzahl von Tests.
Für die Auswertung ist wichtiger, dass du bei einem Gerät und einer Methode bleibst. Werte verschiedener Systeme sind nicht ohne Weiteres vergleichbar, und eine Verlaufskontrolle über zwei Jahre wird wertlos, wenn zwischendurch das Messverfahren gewechselt hat.
Und die Auswertung?
pacely führt dich durch den Stufentest, hält den Pausentimer gleich, holt den Puls selbst und legt den Befund fertig hin. Sieh es dir an deinem eigenen Gerät an.
30 Tage kostenfrei testen, ohne Kündigungsfrist.